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Geschichte

Seit ihrer Gründung 1996 hat sich die Liste Art Fair Basel als zentrale Plattform für aufstrebende Galerien und wegweisende Künstler:innen etabliert. Über drei Jahrzehnte hinweg ist sie kontinuierlich gewachsen und hat zunehmend an internationaler Relevanz gewonnen. Heute gilt sie als eine der weltweit führenden Messen für zeitgenössische Kunst mit klarem Fokus auf Galerien und Künstler:innen, die andere Perspektiven einbringen und im Kunstmarkt bislang nur begrenzte Sichtbarkeit haben. Die Geschichte der Liste ist zugleich eine Geschichte der Generationen: von Galerist:innen, die hier früh in ihrer Karriere ihre ersten Messeauftritte hatten, von Künstler:innen am Beginn ihrer Laufbahn sowie von Sammler:innen, Kurator:innen und Kunstinteressierten, die die Liste nicht nur als Marktplatz erleben, sondern auch als Ort der Begegnung und des Diskurses – in Basel und darüber hinaus.

Liste at Warteck pp, 2018

1996–2006: Aufbruch im Warteck pp

Die Liste entstand Mitte der 1990er Jahre aus einer einfachen, aber weitreichenden Idee: einer neuen Generation von Galerien und Künstler:innen während der Kunstwoche in Basel eine eigene Plattform zu bieten. Die Galerist:innen Eva Presenhuber und Peter Kilchmann wandten sich 1995 an den Basler Kurator Peter Bläuer mit dem Vorschlag, eine Messe zu gründen, die bewusst Raum für junge Künstler:innen schafft – jenseits der etablierten Strukturen des internationalen Kunstmarkts.

Die erste Ausgabe fand 1996 statt und versammelte 36 Galerien aus 12 Ländern. Schon damals waren Galerien vertreten, die später zu prägenden Namen der internationalen Kunstwelt wurden – darunter Galerien wie Air de Paris, Maureen Paley, neugerriemschneider oder David Zwirner.

Der ursprüngliche Standort prägte die Atmosphäre der frühen Jahre entscheidend: der Werkraum Warteck pp, eine ehemalige Basler Brauerei, die in den 1990er Jahren zu einem kreativen Zentrum für Kunst, Handwerk, Design und Performance wurde. Während der Messewoche räumten die Mieter:innen ihre Studios, Werkstätten und Büros, um Platz für die Galerien zu schaffen. So entstanden temporäre Ausstellungsräume in ehemaligen Produktionshallen, improvisierte Bars, kleine Treppenhäuser und verwinkelte Gänge – ein dichtes Geflecht aus ungewöhnlichen Räumen und Formaten, Begegnungen und Gesprächen.

Seit 1997 begleitet E. Gutzwiller & Cie, Banquiers, Basel die Messe als Hauptpartner – eine Unterstützung, die wesentlich zur Stabilisierung und langfristigen Entwicklung der Liste beigetragen hat.

Erste Jury, LISTE The Young Art Fair, 1996

Warteck pp, LISTE The Young Art Fair, 1997

Erste Ausgabe, LISTE The Young Art Fair, 1996

Der Londoner Sammler Charles Asprey erinnerte sich später: „Wir präsentierten Künstler:innen, die genauso alt waren wie wir Galerist:innen. In diesen prächtigen Fabrikhallen mit dem leichten Geruch der alten Brauerei verbrachten wir glückliche Tage – mit riesigen Menschenmengen und einem seltsamen Glamour. Es ist wichtig zu erinnern, dass diese Schweizer Kunstmesse vier Jahre vor der Eröffnung der Tate Modern stattfand, dem ersten Museum meines Landes, das der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist.“

LISTE The Young Art Fair, 1997

LISTE The Young Art Fair, 1997

Eröffnung der LISTE, Warteck pp, 2004

LISTE The Young Art Fair, 1999

2006–2015: Expansion und neue Formate

Mit wachsender internationaler Aufmerksamkeit entwickelte sich auch die Struktur der Liste weiter. Innerhalb eines Jahrzehnts etablierte sich die Messe als eine der wichtigsten Plattformen für junge Galerien weltweit. Zwischen 1996 und 2005 präsentierten rund 190 Galerien aus 28 Ländern ihre Programme in Basel – viele von ihnen nutzten die Liste als Sprungbrett auf den internationalen Kunstmarkt.

Parallel dazu begann sich das Profil der Messe über die klassische Messepräsentation hinaus zu erweitern. Performances, kuratierte Projekte, Publikationen und Gespräche wurden zunehmend Teil des Programms. Bereits Ende der 1990er Jahre fanden erste Performances statt; 2005 wurde ein eigenständiges Performance-Projekt ins Leben gerufen. Zahlreiche international tätige Kurator:innen, darunter Maja Wismer, Burkhard Meltzer, Fabian Schöneich, Eva Birkenstock, Elise Lammer oder Jakob Fabricius, prägten im Laufe der Jahre das Programm und entwickelten neue Formate für Austausch und Diskurs.

Auch räumlich blieb die Liste in Bewegung. Erweiterungen im Warteck – etwa temporäre Anbauten oder neu erschlossene Bereiche der ehemaligen Brauerei – reagierten auf das stetige Wachstum der Messe. Trotz dieser Entwicklungen blieb die Grundidee unverändert: eine konzentrierte Messe zu schaffen, in der aufstrebende Galerien ihre Programme mit klaren, oft experimentellen Präsentationen zeigen können.

„Eine Kunstmesse mit den besten, jungen noch wenig bekannten Galerien und den wichtigsten nicht arrivierten Künstler:innen zu machen, in einem das ganze Jahr voll vermieteten Gebäude, in einer Stadt, in der gleichzeitig die bedeutendste internationale Kunstmesse stattfindet, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Genau aber dieses Ziel hatten sich die Gründer der Liste unter der Leitung von Peter Bläuer vor 10 Jahren gesetzt.“ (aus: Jubiläumszeitung 10 Jahre Liste 2005)

Performance Programm, LISTE, Warteck pp, 2000

Performance Programm, LISTE, Warteck pp, 2007

2016–2025: Neue Generation, neue Räume

Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Wechsel in der Leitung der Messe. Peter Bläuer, Mitbegründer und langjähriger Direktor, prägte mehr als 20 Jahre die Entwicklung und internationale Positionierung der Liste.

2018 übernahm Joanna Kamm die Direktion und führte die Messe sechs Jahre lang weiter. Unter ihrer Leitung wurde das Programmprofil ausgebaut und neue Initiativen für digitale Formate und internationale Kooperationen entwickelt.

Ein entscheidender Wendepunkt folgte 2021: Aufgrund der Pandemie fand die Liste erstmals nicht im Werkraum Warteck pp statt, sondern in der Halle 1.1 der Messe Basel, in unmittelbarer Nähe der Art Basel. Mit dem Umzug begann auch eine neue architektonische Phase: Das belgische Büro OFFICE Kersten Geers David Van Severen entwickelte gemeinsam mit Richard Venlet eine neue Ausstellungsarchitektur – ein offenes, kreisförmiges System, das die Messe als gemeinschaftlichen Raum konzipierte und einen zentralen Ort in der Mitte als Treffpunkt schuf.

2022 wurde die Liste organisatorisch neu aufgestellt und wird seither von der Stiftung Liste Basel getragen – einer gemeinnützigen Organisation, die langfristige Stabilität und Entwicklung ermöglicht. Ein zentraler Bestandteil dieses Engagements ist der Förderkreis Friends of Liste, der gezielt besonders ambitionierte Messeprojekte unterstützt und damit die Rolle der Messe als Förderplattform für neue Positionen stärkt.

2024 wurde Nikola Dietrich Direktorin der Messe. Zuvor war sie unter anderem am als Kuratorin am Portikus Frankfurt und am Kunstmuseum Basel – Museum für Gegenwartskunst und als Direktorin am Kölnischen Kunstverein tätig. Unter ihrer Leitung werden sowohl das kuratorische Profil als auch die räumliche Gestaltung der Messe weiterentwickelt.

Für die erste Messe unter ihrer Leitung, die zugleich die 30. Ausgabe der Liste markierte, entwickelte Martina Kausch Architektinnen das Raumkonzept weiter: Neue Sichtachsen, intime Begegnungszonen und eine offene Plaza strukturieren die Halle und erweitern den Raum für das kuratierte Programm von Panels und Talks. Erstmals wurden dabei die frei gewordenen Wandflächen der neuen Architektur für das 2025 eingeführte “Wall”-Format genutzt, bei dem Projekträume und von Künstler:innen geführte Initiativen eingeladen werden, kuratierte Präsentationen zu realisieren. 

Performance Programme, Liste Art Fair Basel 2023, Bild: Moritz Schermbach

Liste Art Fair Basel in Halle 1.1, Messe Basel, 2023, Bild: Moritz Schermbach

Heute

Gerade in einer sich ständig wandelnden Kunstlandschaft bleibt die ursprüngliche Idee der Liste aktuell: ein Ort, der einer neuen Generation zu Sichtbarkeit und Erfolg verhilft, erste Zugänge zum internationalen Kunstmarkt ermöglicht und Raum für Mentoring, Austausch und nachhaltige Netzwerke schafft.

Als präzise kuratierte Plattform macht die Liste eigenständige künstlerische Ansätze sichtbar, ohne Kompromisse bei Qualität und künstlerischem Anspruch einzugehen – und hat sich damit eine besondere Stellung im internationalen Kunstgeschehen erarbeitet. Die Liste steht für Aufbruch, Erneuerung und die Weitergabe der Leidenschaft für das Sammeln und Ausstellen von Kunst, insbesondere an eine neue Generation von Galerien, Künstler:innen und Kunstinteressierten.

Tragende Säulen dieser Entwicklung sind die kontinuierliche Partnerschaft mit E. Gutzwiller & Cie, Banquiers, Basel, die die Liste 2026 seit mittlerweile 30 Jahren begleitet, die Stiftung Liste Basel und der Förderkreis Friends of Liste. Gemeinsam sichern sie die langfristige Förderung junger Galerien und Künstler:innen – von experimentellen Einzelpräsentationen bis hin zu umfassenden Rahmenprogrammen – und ermöglichen, dass die Liste die Künstler:innen der Gegenwart künstlerisch vielfältig abbildet und ihre Rolle über Generationen hinweg weiterentwickelt.

30. Ausgabe der Liste, 2025, Bild: Silke Briel

30. Ausgabe der Liste, 2025, Bild: Silke Briel

30. Ausgabe der Liste, 2025, Bild: Silke Briel

Architektur

Seit 2021 findet die Liste in der Messe Basel statt. Mit dem Umzug vom ursprünglichen Standort in der ehemaligen Warteck-Brauerei wurde die Ausstellungsarchitektur grundlegend neu gedacht, um eine eigenständige räumliche Identität innerhalb der Messehallen zu schaffen.

2021–2024: OFFICE Kersten Geers David Van Severen, Brüssel

Die Architektur für den neuen Standort der Liste wurde von OFFICE Kersten Geers David Van Severen in Zusammenarbeit mit Richard Venlet entworfen und prägte die Ausgaben der Jahre 2021 bis 2024. Das Architekt:innenteam entwickelte die vollständige Messeszenografie inklusive Aussteller:innenplan mit klar definierten Galerieständen, differenzierten Besucher:innenführungen sowie der Integration aller funktionalen und programmatischen Bereiche wie Messebüro, Gastronomie und Aufenthaltszonen. Das markante Design basierte auf einem offenen, zirkulären System, das die labyrinthartige Struktur des früheren Standorts ablöste und eine gemeinschaftliche Atmosphäre schuf. Eine ringförmige Struktur aus radial angeordneten Wänden, die oben durch diagonale Träger zu einer kronenartigen Konstruktion verbunden waren, definierte die Gesamtarchitektur. Die Anordnung der Galeriestände entlang der inneren und äusseren Ringseiten wurde partiell unterbrochen, um Durchbrüche und Zugänge sowie zur zentralen „Piazza“ zu ermöglichen – einem Ort für Begegnung und Austausch. Die temporäre Architektur war auf Wiederverwendbarkeit ausgelegt und bildete über vier Jahre hinweg die räumliche Gegebenheit der Liste Art Fair Basel.

Architektur: OFFICE Kersten Geers David Van Severen
In Zusammenarbeit mit: Richard Venlet
Fotografie: Bas Princen

Liste Art Fair Basel 2021, OFFICE Kersten Geers David Van Severen, Brüssel, Bild: Gina Folly

2025: Weiterentwicklung durch Martina Kausch Architektinnen, Basel

Für die Ausgabe 2025 entwickelte Martina Kausch Architektinnen die von OFFICE entworfene Szenografie der Messe gezielt weiter. Die Neugestaltung löst sich von der bisherigen Kreisstruktur und transformiert die Messehalle in eine vielschichtige räumliche Erfahrung. Unterschiedliche Raumsequenzen – von intimen Begegnungszonen bis hin zu einer offenen Plaza – strukturieren den Rundgang dynamisch und laden zu einer entdeckenden Bewegung durch die Halle ein. Durch die Umnutzung und Neuordnung bestehender Elemente entstanden differenzierte Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität, abwechslungsreiche räumliche Rhythmen sowie überraschende Blickachsen. Gleichzeitig wurden zusätzliche Flächen für das kuratierte Programm der Liste geschaffen. So bleibt die gemeinschaftliche Atmosphäre der ursprünglichen Architektur erhalten, während neue räumliche Qualitäten und Programme den Messebesuch erweitern und den Austausch sowie die Sichtbarkeit neuer Positionen fördern.

Neugestaltung: Martina Kausch Architektinnen
In Zusammenarbeit mit: Hagar Schmidhalter
Fotografie: Gina Folly

Liste Art Fair Basel 2025, Bild: Gina Folly