Special Guests Programm

Jedes Jahr lädt die Liste Art Fair Basel Institutionen, Magazine, Initiativen oder Künstler*innenprojekte ein, die mit einem hochaktuellen Ansatz das Anliegen der Liste, die neuesten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst aufzuzeigen, erweitern. Dieses Jahr sind die Gäste das Pariser Künstlerpaar Jacent, das Institut Kunst HGK FHNW mit drei ihrer ehemaligen Student*innen, Michael Etzensperger, Katrin Niedermeier und Jodok Wehrli, sowie als langjähriger Gast, das HEK – Haus der Elektronischen Künste aus Basel.

Goswell Road

Goswell Road ist ein gemeinnütziger, von Künstlern betriebener Raum in Paris, der 2016 vom Künstlerduo Ruiz Stephinson gegründet wurde. Für die Liste Art Fair Basel 2021 durchbricht Goswell Road das Messeerlebnis mit drei strategisch platzierten Richtungslautsprechern, die Alben von drei Künstlern abspielen, die die Grenzen zwischen Kunst, Aktivismus und Musik verwischen:

‘Black Nationalist Sonic Weaponry’ (Planet Mu, 2020) von Speaker Music - alias DeForrest Brown, Jr. - einem in New York lebenden Rhythmusanalytiker, Medientheoretiker und Kurator. 

Browns Album wurde am Juneteenth 2020 als klangliche Antwort auf vergangene und aktuelle Ereignisse veröffentlicht. Zusammen mit einem 60-seitigen Zine mit gesammelten Schriften schwarzer Theoretiker und Dichter, die weiteren Kontext liefern, kanalisiert Black Nationalist Sonic Weaponry die modernistische schwarze Tradition der Rhythmus- und Soulmusik als intellektuellen Ort und Klang des Generationentraumas, der den Rahmen der westlichen Musik und des Denkens sprengt.

‘Love & Power’ (Muskel Records, 2019) von No Bra - alias Susanne Oberbeck - einer in New York lebenden elektronischen Musikerin, Produzentin, Performerin und Filmemacherin. 

Oberbecks Album ist eine Herausforderung an Machthierarchien und Binaritäten und stellt eine Zukunft der Beziehungen außerhalb der traditionellen Strukturen vor. ‘Love & Power’ sinniert über Sadomasochismus, Cruising, die scheinbar unentwirrbare Verbindung zwischen Sex und Geld und populistische Politik, während es über eine utopische Welt fantasiert. Goswell Road präsentierte Oberbecks Film- und Fotoarbeiten zusammen mit früheren No Bra-Texten 2018 in einer Duoausstellung mit Rckay unter dem Titel “Body and Commodity“.

‘ÉPÉE’ (Cultural Workers & Le Turc Mécanique, 2018) von Jardin - alias Lény Bernay - einem transdisziplinären französischen Künstler, der zwischen Brüssel, Paris und Bordeaux lebt und arbeitet. 

Bernay definiert seine Vorgehensweise in der zeitgenössischen Musik als eine allumfassende künstlerische Praxis. ‘ÉPÉE’  - “Schwert“ auf Englisch - wurde vollständig von Bernay produziert und ist ein Zeugnis des queeren, sozialen und humanistischen Blicks des Künstlers auf unsere urbane, technikdurchdrungene und kontrollierte Gesellschaft. Bernay engagiert sich auch für die urbane Landwirtschaft und wird bald ein Meister des Kompostierens sein, um sein enthusiastisches und kämpferisches Statement und Engagement noch sichtbarer zu machen: Yes Future.

Das Projekt wird freundlicherweise von der französischen Botschaft in der Schweiz, Botschafter Frédéric Journès und seinem Ehemann Hristo Mavrev unterstützt.

www.goswellroad.com

Goswell Road, 2021
Goswell Road, 2021

HEK – Haus der Elektronischen Künste

Das HEK (Haus der Elektronischen Künste) in Basel ist ein Museum, das sich der digitalen Kultur und neuen Kunstformen des Informationszeitalters verpflichtet hat. Als Special Guest zeigt das HEK seit über 10 Jahre Medienkunst von jungen Künstlern auf der Liste Art Fair Basel. Dieses Jahr präsentiert HEK die Videoinstallationen Breathing Patterns (2020) von Salomé Chatriot und Mix, Match and Start From Scratch (2019) von Jessica-Maria Nassif. 

In ihrer Arbeit verbindet Salomé Chatriot technologische Bilder mit Körpermechanismen zu unheimlichen und zugleich erotisch aufgeladenen Szenarien. In “Breathing Patterns” überträgt Chatriot ihren Atem in animierte Computergrafiken. Die Videoinstallation, die auf zwei Bildschirmen gezeigt wird, zeigt eine 3D-Modellierung von Lungen und Spiralen aus Meeresmuscheln. Durch die Verflechtung dieser beiden Elemente entsteht eine fiktive Landschaft, die mit dem Rhythmus der Atemfrequenz der Künstlerin synchronisiert ist.

Jessica-Maria Nassif konzentriert sich auf algorithmische Governance-Technologien und zeigt, dass es Möglichkeiten gibt, die zuhörende Intelligenz zu überlisten. Inspiriert von der Geschichte der Tupperware-Partys, unterläuft ihre performative Installation “Mix, Match and Start From Scratch” deren ursprünglichen, kommerziellen Zweck. Die Künstlerin präsentiert eine Reihe von Tricks, mit denen sie beabsichtigt die Spracherkennungssysteme unserer intelligenten Geräte wie Mobiltelefone und Haushaltsassistenten zu stören.

Sowohl Salomé Chatriot als auch Jessica-Maria Nassif nutzen einen performativen Ansatz in Kombination mit technologischen Werkzeugen, um eine Gesellschaft zu reflektieren, in der die Verbindung von digitalen und organischen Prozessen allgegenwärtig ist.

Jessica-Maria Nassif, geb. 1990 (FR/LB), “Mix, Match and Start From Scratch” (2019)
Jessica-Maria Nassif, geb. 1990 (FR/LB), “Mix, Match and Start From Scratch” (2019)

Salon Jacent

Das Pariser Künstlerduo Jacent (Jade Fourès-Varnier und Vincent de Hoÿm) entwirft großformatige Installationen, die von Häuslichkeit inspiriert sind und in denen die Besucher*innen als Gäste willkommen geheissen werden. Die Verschmelzung von Kunst und Leben steht seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 2014 im Mittelpunkt ihres Werkes. 

Für die Liste Art Fair Basel 2021 werden sie den „Salon Jacent“ präsentieren, eine Kunstinstallation und ein Ort der Geselligkeit, der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion. Mit diesem "Salon de Conversation" schaffen sie ein neues skulpturales Werk, das ästhetische Anliegen und kollektiven Nutzen miteinander verbindet. Das Konzept hat seinen Ursprung in Jacents Installation "Blue Fish Foyer", die für die Ausstellung "La Psychologie des serrures" im CAN Centre d'art Neuchâtel geschaffen wurde.

Im Februar 2014 gründete Jacent Tonus, einen von Künstlern betriebenen Raum in Paris, der diesen offenen Ansatz aufrechterhält. Weitere Informationen über Jacent finden Sie hier: www.jacent-varoym.fr

Dieses Projekt wird unterstützt von La Fondation des Artistes. 

Jacent, 2021
Jacent, 2021

Hyperpresence – 25 Jahre Liste

2020 war das 25-jährige Jubiläum der Liste Art Fair Basel. Zur Feier des Jubiläums initiierte der Verein Joinery eine Kollaboration mit dem Institut Kunst HGK FHNW in Basel und lud drei Absolvent*innen des Instituts Kunst ein, sich mit dem Bildarchiv der Liste auseinanderzusetzen. Durch ihren jeweils spezifischen künstlerischen Blick rekontextualisierten die Künstler*innen Michael Etzensperger, Katrin Niedermeier und Jodok Wehrli die Dokumentation der letzten 25 Jahre Liste und entwickelten mit drei unterschiedlichen Videoarbeiten aktuelle Sichtweisen auf die Geschichte der Liste.

Aufgrund der pandemiebedingten Absage der Liste Art Fair Basel in 2020 wird das Jubiläumsprojekt dieses Jahr auf der Liste Art Fair Basel gezeigt. 

Michael Etzensperger – I think slogans oversimplify my views

Für seinen Film „I think slogans oversimplify my views“ hat Michael Etzensperger aus dem Bildarchiv der Liste Fotografien von Kunstwerken zusammengetragen, die Schrift beinhalten. Die Bilder sind zum Teil stark beschnitten, so dass die Botschaften der Bilder in den Fokus rücken und jeglichen Kontext ausschliessen. Die Slogans und Textfragmente sind zu satzartigen Gebilden zusammengefügt und bilden so neue Bedeutungsebenen.

Die Reproduktion und das Medium Fotografie spielen in den Arbeiten von Michael Etzensperger eine entscheidende Rolle. Ungewohnte Sehperspektiven sind ein zentrales Merkmal der oft überarbeiteten Fotografien. Durch extreme Close-up’s, Telezooms oder Transformationen durch Lichteinstrahlung bewegen sich die Bilder oft nahe der Grenze zur Abstraktion. Etzensperger findet seine Motive nicht nur in (kunst-)historischen oder ethnologischen Abbildungen, sondern auch in Werbereklamen des städtischen Raums oder in seiner unmittelbaren Umgebung.

Michael Etzensperger (*1982, lebt und arbeitet in Zürich und Berlin) hat 2019 seinen Master in Fine Arts am Institut für Kunst HGK FHNW abgeschlossen. Er hat seine Werke bereits in Ausstellungen in der Kunsthalle Winterthur (2019), im Kunsthaus Baselland (2019), im Kunstmuseum Winterthur (2019), im Ausstellungsraum Last Tango, Zürich (2018), in der alten Fabrik Rapperswil (2016) oder im Museo Amparo (2015), Puebla, Mexiko ausgestellt. 

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Katrin Niedermeier – virtual retrospection

Katrin Niedermeiers Videoanimation „virtual retrospection“ ist eine virtuelle Ausstellung der letzten 25 Jahre Liste, die aus der Perspektive eines Kurators gesehen wird, der von weltlichen Beschränkungen wie dem Raum befreit ist. Das Video besteht aus digital reproduzierten Kunstwerken, Fotomaterial und Schnappschüssen und zeigt verschiedene wichtige Ereignisse der Liste während der letzten 25 Jahren. Das Werk inspiziert retrospektiv das eng verwobene Netz einer Kunstmesse wie der Liste, einschliesslich der Künstler*innen, ihrer Kunstwerke, Galerien, Besucher*innen, der Messe und ihres Teams, aber auch des Ortes selbst.

In ihrer künstlerischen Praxis thematisiert Katrin Niedermeier häufig das Gebiet menschlich konstruierter Wunschräume, fiktiver oder realer Natur und untersucht, wie sich jene in Form von „arkadischen“ Gärten, virtuellen Landschaften oder persönlichen Phantasien manifestieren. Ihre Arbeit zeigt die sich stetig wandelnde Beziehungen zwischen virtuellen und analogen Räumen und bewegt sich in ihrer Umsetzung und Entwicklung genau an der Grenze dieser beiden Bereiche. Vielfach sind digitale Formate, meist Animationen, Ausgangspunkte ihrer Werke, welche sie dann in Installationen, physischen Objekten und Malereien übersetzt und miteinander in Dialog treten lässt. Hierbei wird die virtuelle Welt, als Entität mit eigener Autorenschaft hinterfragt sowie ihr Potential und ihre Wirkungskraft im Analogen wie Digitalen ausgelotet. 

Katrin Niedermeier (*1979, lebt in Weil am Rhein und arbeitet in Basel und Weil am Rhein) hat zwischen 2014 und 2019 ihren Bachelor und Master in Fine Arts am Institut für Kunst HGK FHNW absolviert. Zu den jüngsten Ausstellungen und Screenings gehören die Gruppenausstellung „Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften“ im HeK, 2019; „I and the machine“, Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk in Freiburg; “Kaliningrad Museum of Fine Arts “, Kaliningrad; “videocity Basel – Kaliningrad”, TBA21-Academy; „The Current ll“, Chus Martinez, Convening #2: Phenomenal Ocean Space, Venice, 2019; „ihood“ im Kunsthaus Baselland (2019); „color your color“ Ewha Media Art Presentation, (EMAP), in Seoul (2019), in der Hidden Bar während der Art Basel in Basel (2019) und die Gruppenausstellungen „Hyperconscience“ im Shadok, Strasbourg (2018); „trans environmental exercises“ im Atelier Mondial in Basel (2018) und „Kurs“ im Raum 103 in Basel (2018).

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Jodok Wehrli – Arbeit, Arbeit, Arbeit

In seinem Video „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ wirft Jodok Wehrli einen Blick hinter die Kulissen der Liste und würdigt jene Arbeit, die sonst unsichtbar ist. Durch die rhythmische Verbindung der Bilder schafft Wehrli eine fliessende Collage, die verschiedene Formen von Arbeit konterkariert und deren Wertigkeiten auf eine Ebene stellt.

Seine konzeptbedingte Praxis oszilliert zwischen installativen, skulpturalen und multimedialen Darstellungsweisen, wobei sich die Inhalte auf die Logik und das Absurde und deren für die gesellschaftliche Realität konstitutive Beziehung fokussieren.

Jodok Wehrli (*1994, lebt und arbeitet in Basel) und hat 2019 seinen Bachelor in bildender Kunst am Institut für Kunst HGK FHNW abgeschlossen. Zu seinen aktuellsten Ausstellungen zählen: „Auswahl 19“, Aargauer Kunsthaus, Aarau, 2019; „Now This“, Wurm, Basel, 2019 „I-Hood“, Kunsthaus Baselland, Muttenz, 2019; "Büro für absolut Relevantes“, Rathaus für Kultur, Lichtensteig, 2018; "I Myself in ten years Now“, Bolag, Basel, 2018; „Insite“, Der Tank, Campus der Künste, Basel, 2017.

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